Der Feind 2


Eigentlich wirds durch Wiederholung nicht besser, aber ich versuchs trotzdem.

Wenn ich mich so durch die Blogs labere, dann komme ich immer wieder auf solche wo Leute beweisen, das die Juden an allem schuld sind. Wenn man auf Blogs von Juden kommt, dann beweisen die einem, das die Araber alle Juden vernichten wollen. Es ist einfach nervig.

Jeder braucht seinen Feind für seine Identität. Als ich ein Kind war, da war der Feind der imperialistischkapitalistische Westen. Dann wurde ich Siebententagsadventist und da war der Feind der Jude, aber nur ein bissel, konnte man vergessen. Nein, der Feind war die Katholische Kirche. Weil die den Sabbat nicht hält und den Sonntag eingeführt hat, was wohl was ganz schlimmes ist. Und ausserdem hat Luther auch schon gesagt das der Papst irgend so ein wirres Tier aus der Offenbahrung sei. Aber Luther hat auch gesagt, das die Juden schuld sind.

Jedenfalls habe ich, wie alle anderen jeden Sabbat, den der Herr werden ließ, schlecht über die Katholische Kirche geredet. Bis mir irgendwann der blöde Gedanke gekommen ist „Was haben mir die Katholiken denn eigentlich getan, das ich so schlecht über sie rede.“

Irgendwann habe ich diese Frage der Tante meiner (zukünftigen) Exfrau gestellt. Großer Fehler. Ich darf inzwischen meine Kinder seit, ich weiß nicht wie lang, sehen. Die Juden haben mir nichts getan, die Palestinenser auch nicht. Nicht mal die Katholiken. Die Adventisten schon. Und wenn ich die Gelegenheit dazu habe, dann ärgere ich sie, wie ich nur kann. Aber sie sind trotzdem nicht meine Feinde.

Das ich meine Kinder nicht sehen kann und das meine Kinder mich nicht mehr mögen ist meine Hölle. Und ich habe darunter lange gelitten. Inzwischen nicht mehr. Ein Teil von mir ist irgendwann gestorben und ich warte nun darauf, das der Rest folgt. Aber Gott ist gemein, ich vermute, das ich sehr lange leben muss.

Ich mag die Juden. Wenn ich im Call of Duty sehe, das einer Jude ist, dann rufe ich, wenn mich die tödliche Kugel getroffen hat „Shema Israel“. Aber die hauen dann immer gleich ab. Wahrscheinlich können sie mit Feindschaft einfach besser umgehen als mit Freundschaft, aber das ist ne Hypothese. Aber bei dem, was ich so über sie lese würde es mich nicht wundern.

Ich mag auch die Araber und Palestinenser. Es sind gute Kämpfer, wie die Juden, zumindest ist das mein Cod Eindruck.

Aber wenn ich so diese Blogs sehe.

Warum ist auf dieser Welt ein Mensch der Teufel des anderen? Warum müssen sich Menschen so hassen? Gibt es DEN JUDEN oder DEN ARABER überhaupt. Oder DEN DEUTSCHEN oder DEN RUSSEN. Und was hat er, den wir gar nicht kennen uns getan, das wir im alles Böse zutrauen.

Und wenn ich dann mit meiner Idee eines jährlichen Jizak Rabin Kinderfestivals an der israelischen Mauer komme, dann halten sie mich alle, die Juden wie die Palestinenser, für naiv.

Meinetwegen bin ich naiv. Meine Exfrau kennt da noch schlimmere Begriffe für mich. Aber ich glaube, das es möglich ist. Ich glaube, das man palestinensische und israelische und Zigeunerkinder und Kinder aus dem Kosovo und aus Indien oder den USA mit Farbeimern bewaffnen kann und diese Mauer so anmalen kann, dass sie ein wenig eine neue Bedeutung bekommen kann. Ich glaube, das ein israelisches Eis eher das Herz eines palestinensischen Kindes erwärmen kann als ein heißes M16 Projektil.

Ich würde gern eine israelische Kugel die für einen Palestinenser bestimmt war mit meinem Herzen abfangen, oder eine palestinensische Kugel, die für einen Israeli bestimmt war. Dann würde mein Leben wenigstens so etwas wie einen Sinn bekommen. Ich habe den Hass, den Menschen gegen Menschen hegen so satt, ich möchte nichts mehr davon hören.

Aber so wie es aussieht ist mir so etwas nicht bestimmt. Also muss ich die Welt mit meinen Visionen quälen.

Ein relativ bekannter Jude mit Namen Jesus, dem man auch den Beinamen Christus gegeben hat, hat mal gesagt „Seelig sind die Friedenstifter“ oder so ähnlich. Ich kann nicht beurteilen ob er der Christus ist und es ist mir auch egal. Aber die Idee gefällt mir. Es gab mal einen Kinderkreuzzug. Der ist damals irgendwie nicht ganz am Ziel angekommen.

Aber vielleicht sollte man das noch mal machen, das Kinder aus der ganzen Welt sich dort treffen und zusammen spielen und Musik hören und malen und leckeres Essen aus der ganzen Welt ausprobieren.

Ich möchte in einer Welt leben, wo Israelis und Palestinenser zusammen einen Pool bauen und ihre Kinder zusammen im Wasser planschen und sich gegenseitig trösten, wenn einer sich weh getan hat.

Wäre das nicht ein Ziel, für das es sich zu leben lohnte?

Holger Rösler

PS: In Memoriam Charls Chaplin

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4 Antworten to “Der Feind 2”

  1. Sina Hawk Says:

    Schöner Artikel. Ich kenne die Problematik nur allzu gut.

    Ich bin muslimisch aufgewachsen, doch als ich irgendwann feststellte, dass ich die Religion nicht ein Leben lang leben will, sondern mir lieber meine eigenen Gedanken machen, eckte ich überall an. Die Rabbis weigerten sich, mit mir den Israel/Palästina-Konflikt sachlich zu diskutieren, die Imame hatten mich schon lange als Verräter abgestempelt und wenn ich mich wirklich mal mit einem Pfarrer unterhielt stellte ich fest, dass ich auch mit diesem Dogma nicht viel anfangen konnte.

    Die Menschen dahinter stimmten mir zu, dass Mensch Mensch ist aber die Religiösen hinter den Menschen beharrten auf ihrem Standpunkt, der nicht diskutabel war.

    Dann gibt es da noch den demonstrativen Atheisten, der sofort die Nase rümpft, möchte man mit ihm religiöse Ansichten in Verbindung mit menschlichem Handeln diskutieren und letztlich steht man alleine da zwischen Milliarden anderen, die eigentlich auch gern Frieden hätten und sich dabei selbst im Weg stehen.

    Meine religiösen Ansichten lebe ich mittlerweile ohne Gemeinschaft aus. Was soll ich mich über so etwas Persönliches wie Glaube und Zusammenhalt mit anderen streiten.

  2. sayadin Says:

    Dann bist Du, wie ich auch, ein Synkretist. Synkretisten sind Leute, die sich aus allen Religionen und Philosophien das zusammen suchen, was ihnen am sinnvollsten erscheint.
    Monotheistische Religionen mögen Synkretisten nicht besonders weil sie hirarchische Strukturen haben und es ihnen um Macht und Einfluss geht. Da passen Synkretisten einfach nicht hinein. Buddhisten oder Shintoisten sehen das nicht so verbissen.
    Letztendlich sind alle religiösen Menschen Synkretisten, weil sich, wenn man es genau nimmt, jeder aus seiner Religion das raussucht, was ihm passt.
    Wie Nietzsche so schön sagte „Und der Mensch erschuf sich Gott und er erschuf ihn sich nach seinem Bilde“.
    Aber das ist ein Gedanke der Monotheisten eher unangenehm ist.

  3. CrippLeD SaM Says:

    @Sayadin:

    Quälen? Quäle mich weiter! Deine Zitate prägen mich.

    Z.B:

    „Und wenn ich die Gelegenheit dazu habe, dann ärgere ich sie, wie ich nur kann. Aber sie sind trotzdem nicht meine Feinde.“

    YES, Sir! Das ist mein Motto!

    @Sina Hawk:

    Gut zu wissen, daß es noch normale Menschen gibt.
    Welcome to the club!

    Ich bin allerdings tief-religiös. Das heißt nicht, daß ich den Bischöfen oder Pfaffen in den Allerwertesten krieche, sondern, daß ich halt „nur“ bete. Und das ist eh schon mehr, als die sogenannten „Religiösen“ machen.

    MFGCS

  4. sayadin Says:

    Das wäre ja eine Hoffnung für die Welt, Synkretisten aller Länder, vereinigt euch.
    Appocalypse now „Haben sie mal über wahre Freiheiten nachgedacht. Über die Freiheit von den Meinungen anderer, über die Freiheit sogar von den eigenen Meinungen…“

    Wenn der Absolutheitsanspruch in dieser Weise fällt, dann ist Religion eine Quelle in der man sich gegenseitig inspirieren kann. Da fühlt sich der Christ durch das Zitat von Mohammed und der Moslem durch das Zitat von Paulus nicht bedroht, sondern bereichert.

    Da fällt die ganze Verbissenheit der Religionen weg.

    Ich selbst kann nicht beten. Als ich jünger war und noch mehr Hoffnungen, da konnte ich das noch. Aber irgendwann habe ich diese Verbindung verloren. Ich wäre froh, wenn ich dieses Gefühl des Vertrauens hätte. Aber die Dinge sind wie sie sind.

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