Heute Nacht 25


Ich arbeitete in einem Krankenhaus (ich hab wirklich mal in einem Krankenhaus als Krankenpfleger gearbeitet). Meine Chefin kam rein, eine ältere, hübsche Frau und meinte, das die Station renoviert werde und wir deshalb so lange an anderer Stelle arbeiten müssten. Ich sollte Botengänge zwischen den Stationen machen. Ich hatte sowieso etwas zu erledigen und als ich das erledigt hatte stellte ich mit Entsetzen fest, das ich ja gar nicht wüsste, zu welchem Bereich des Krankenhauses ich gehören würde und wo ich meine Aufträge herbekommen würde.

Ich irrte durch das Krankenhaus und suchte nach einer Station um zu erfahren zu welchem Bereich ich nun gehöre.

Ich fand eine Station wo mir die Leute sehr bekannt und vertraut erschienen. Ich schilderte ihnen mein Dilemma. Vor allem der Stationsarzt war mir sehr vertraut obwohl ich auch das Gefühl hatte, das es etwas gab, was uns immer trennen würde. Der Arzt war ein englischer Filmschauspieler, aber ich kenne seinen Namen nicht. Während seine Nr. 2 mit der Verwaltung telefonierte unterhielten wir uns. Ich meinte zum Herrn Doktor „An der richtigen Stelle das richtige Tun, das ist das Geheimnis, an der richtigen Stelle das richtige Tun!“

Er schaute mich betroffen an und ich hatte das Gefühl, das er an einigen Stellen wohl nicht das richtige getan habe. Dann sagte mir die Nr. 2 das ich draussen zur Barake 5 gehören würde. Unterwegs traf ich einen Hausmeister und fragte ihn wo die Barake 5 sei.

Dann arbeitete ich im Schlamm und pflanzte Bäume. Ich sah einen ehemaligen Kollegen mit dem ich wirklich in einer Gärtnerei zusammen gearbeitet habe und eine Frau die so eine Mischung zwischen meiner ersten Liebe und der TV-Dame war. Der Kollege meinte, das ich viel zu schnell gearbeitet hätte. Ich meinte, das es ja auch vorwärts gehen müsse. Aber er meinte, das die anderen Kollegen dadurch blöd aussehen würden. Ich dachte, das er damit auch Recht hätte. Während dessen sah ich, das das Krankenhaus in Wirklichkeit der Dom von Xanten war.

Kein Weizenfeld mit milden Winden
Selbst keine Schenke mit Musik
Kein Tanz mit Weibern und Absinthen
Kein Kartenspiel hielt sie zurück.
Sie hatten vor dem Knall das Zanken
Vor Mitternacht die Weiber satt:
Sie lieben nur verfaulte Planken
Ihr Schiff, das keine Heimat hat.

O Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind, die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

Mit seinen Ratten, seinen Löchern
Mit seiner Pest, mit Haut und Haar
Sie fluchten wüst darauf beim Bechern
Und liebten es, so wie es war.
Sie knoten sich mit ihren Haaren
Im Sturm in seinem Mastwerk fest:
Sie würden nur zum Himmel fahren
Wenn man dort Schiffe fahren läßt.

O Himmel, strahlender Azur! …

Sie morden kalt und ohne Hassen
Was ihnen in die Zähne springt
Sie würgen Gurgeln so gelassen
Wie man ein Tau ins Mastwerk schlingt.
Sie trinken Sprit bei Leichenwachen
Nachts torkeln trunken sie in See
Und die, die übrig bleiben, lachen
Und winken mit der kleinen Zeh:

O Himmel, strahlender Azur! …

Sie leben schön wie noble Tiere
Im weichen Wind, im trunknen Blau!
Und oft besteigen sieben Stiere
Eine geraubte fremde Frau.
Die hellen Sternennächte schaukeln
Sie mit Musik in süße Ruh
Und mit geblähten Segeln gaukeln
Sie unbekannten Meeren zu.

O Himmel, strahlender Azur! …

Doch eines Abends im Aprile
Der keine Sterne für sie hat
Hat sie das Meer in aller Stille
Auf einmal plötzlich selber satt.
Hüllt still in Rauch die Sternensicht
Und die geliebten Winde schieben
Die Wolken in das milde Licht.

O Himmel, strahlender Azur! …

Sie fühlen noch, wie voll Erbarmen
Das Meer mit ihnen heute wacht
Dann nimmt der Wind sie in die Arme
Und tötet sie vor Mitternacht.
Und ganz zuletzt in höchsten Masten
War es, weil Sturm so gar laut schrie
Als ob sie, die zur Hölle rasten
Noch einmal sangen, laut wie nie:

O Himmel, strahlender Azur!
Enormer Wind, die Segel bläh!
Laßt Wind und Himmel fahren! Nur
Laßt uns um Sankt Marie die See!

Text: Bertolt Brecht

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6 Antworten to “Heute Nacht 25”

  1. CrippLeD SaM Says:

    Ein Krankenhaus, das eine Kirche ist?

    Die Kirche ist ja wirklich krank heutzutage….eh schon wissen.

    Fällt mir dazu ein.

    MFGCS

  2. CrippLeD SaM Says:

    Blöde Anfrage: Wieso schreibst du keine „normalen“ Artikel mehr? (zB: „Mel Gibson labert mich voll“)

    Deine Träume sind eh sehr interessant, aber deine Gedanken auch.

    😉

    MFGCS

  3. sayadin Says:

    Na, da habe ich meine Zweifel, es interessiert sich kaum einer für das, was ich schreibe.
    Aber ich schreib wieder was.
    Das Krankenhaus ist ein Haus wo man Heilung erfahren soll, die Kirche ein Ort, wo man seelische Heilung erfahren soll.
    Ich denke nicht, das die momentane der Kirche hier keine Rolle spielt. Ausserdem ist ein Dom das Haus für die Toten, ein heiliger Ort.
    Ich denke, das ich an einer heiligen Aufgabe arbeite.

  4. CrippLeD SaM Says:

    Ich auch.

    MFGCS

  5. sayadin Says:

    Ich weiss…

  6. TVdame Says:

    Ich bin eigentlich auch für „normale“ Artikel. Es ist schwer, sich mit fremden Träumen auseinanderzusetzen – ich deute nicht einmal meine eigene Träume 😉

    Aber es ist natürlich deine Sache was du in deinem Blog schreibst. Ich denke, es ist auch ziemlich außergewöhnlich dass einer seine Träume aufschreibt, und ich begrüße alles Außergewöhnliches!

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